Extended Museum Berggruen: Stülerbau, glass pavillon & Kommandantenhaus, Photo:
Museum Berggruen interior, Photo: HC Krass
Museum Berggruen interior, Photo: HC Krass
Museum Berggruen interior, Photo: H.C. Krass
Museum Berggruen interior, Photo: H.C. Krass
Museum Berggruen interior, Photo: H.C. Krass
Museum Berggruen interior, rotunda spiral staircase. Photo: H.C. Krass

Das Museum Berggruen - Nationalgalerie - Staatliche Museen zu Berlin

Das Museum Berggruen zählt zu den weltweit bedeutendsten Museen der Klassischen Moderne. Es präsentiert die von
Heinz Berggruen zusammengetragene Kunstsammlung von großen Werkkomplexen der hervorragendsten Künstler des
20. Jahrhunderts: Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Klee und Alberto Giacometti.

Heinz Berggruen (1914-2007) zeigte 1996 auf Einladung der Staatlichen Museen zu Berlin seine Kunstsammlung unter dem Titel 'Picasso und seine Zeit' im eigens dafür hergerichteten, klassizistischen Stülerbau, gegenüber vom Schloß Charlottenburg. In einer international geschätzten Geste der Versöhnung überleignete er vier Jahre später die 165 Werke umfassende Kunstsammlung seiner Heimatstadt Berlin und der Öffentlichkeit. Nach seinem Tod entschied die Familie das Museum mit Werken aus dem Privatbesitz zu ergänzen. Hierfür wurde das benachbarte Gebäude am Spandauer Damm umgestaltet und mit einer gläsernen Pergola mit dem Stülerbau-West verbunden. Im Hof der Gebäude entstand ein Skulturengarten.

Sammlung Berggruen

Sein erstes Kunstwerk kaufte Heinz Berggruen als Sechsundzwanzigjähriger, 1940 im amerikanischen Exil in San Fransisco: Das Aquarell Perspektiv-Spuk von Paul Klee. Ohne Kapital und Sponsoren begann er sieben Jahre später,  mit der Eröffnung seiner Galerie in Paris, Kunst zu sammeln. Dabei verließ er sich auf sein Gefühl für Qualität und seine Intuition und konzentrierte sich bewusst auf die Arbeit weniger Meister der klassischen Moderne. Pablo Picasso gewährte ihm das Privileg seine Druckgraphik exklusiv handeln zu dürfen. Neben dem Aufbau einer Sammlung von Picasso-Werken aus allen Schaffens-phasen des Künstlers, konzentrierte sich Heinz Berggruen in den folgenden fünfzig Jahren auf die Sammlung von Werken von Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Klee und Alberto Giacometti. Er entdeckte als erster, noch zu Lebzeiten von Henri Matisse, die Bedeutung von dessen fast abstrakten Spätwerk. Die Sammlung von Matisse-Werken ist die größte in Deutschland ausgestellte Sammlung seiner Werke. 1988 stellte Heinz Berggruen seine Kunstsammlung erstmals im Kunstmuseum in Genf aus. Anschließend war sie fünf Jahre lang in der National Gallery in London zu sehen, bevor sie 1996 im eigens dafür umgestalteten Stülerbau in Berlin-Charlottenburg präsentiert wurde.

Den Schwerpunkt der Sammlung Berggruen bildet das Werk von Pablo Picasso mit über 100 Exponaten aus allen seinen Schaffensphasen. Beginnend mit einem Studienblatt aus dem sechzehnten Lebensjahr des Künstlers, umfasst die Sammlung Werke der Rosa und Blauen Periode, des Kubismus, Klassizismus und des Spätwerkes bis zum Jahr 1972. Afrikanische Skulpturen ergänzen die Ausstellung der Werke von Picasso. Einzelne Werke von Georges Braque und Henri Laurens ergänzen die Sammlung.

Mit über 60 Werken ist der zweite Schwerpunkt des Sammlung Berggruen der poetischen Kunst von Paul Klee gewidmet. Die in der Sammlung Gezeigten 20 Werke von Henri Matisse stellen die größte in Deutschland öffentlich gezeigte Werkschau des Künstlers dar. Skulpturen von Alberto Giacometti bilden den den Auftakt wie Abschluss der Sammlungspräsentation im Museum Berggruen.

 

Pablo Picasso, Der gelbe Pullover, 1939

Henri Matisse, Die Seilspringerin, 1952

 

Olivier Berggruen: Die Sammlung im Museum Berggruen

Mit dem im Frühjahr 2013 erweiterten Museum Berggruen steht der von meinem verstorbenen Vater Heinz Berggruen zusammengetragenen Sammlung nun der Raum zur Verfügung, der ihr gebührt. Die Sammlung ist auf zwei Flügel aufgeteilt: der eine ist hauptsächlich Picasso gewidmet, der andere Cézanne, Matisse, Giacometti und Klee. Dadurch erhält der Besucher einen Einblick in die jeweilige Entwicklung dieser Künstler und auch in die Art und Weise, in der ihre Werke miteinander verknüpft sind.

Die Sammlung meines Vaters, entstanden aus der durch den Zweiten Weltkrieg verursachten Vertreibung zahlloser Menschen – er erwarb seine erste Klee-Zeichnung von einem anderen deutschen Emigranten 1940 in Chicago – erfuhr im Laufe der Jahre zahlreiche Inkarnationen. Im Jahre 1988 wurde sie der Öffentlichkeit zum ersten Mal im Musée d’art et d’histoire in Genf vorgestellt.

Wie der amerikanische Chronist James Lord einst anmerkte, interessierte sich Heinz Berggruen in erster Linie für die Arbeit einer Handvoll moderner Künstler; Klee, Picasso, Cézanne, Matisse und Giacometti wurden zu tragenden Stützen seiner Sammlung.

Mein Vater war auch der geistige Erbe der Kunsthändler und -sammler des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, wie z.B. Wilhelm Uhde und D.H. Kahnweiler, die wie er deutsche Wurzeln hatten und eine ähnliche ästhetische Sensibilität aufwiesen. Die zentrale Figur in seiner ästhetischen Entwicklung war jedoch der englische Kunstkritiker und Sammler Douglas Cooper (1911-1984).

Mein Vater schloss Freundschaft mit Cooper und erwarb schließlich einige Kunstwerke (unter anderem von Klee) aus dessen Sammlung. Nach Picasso hatte Cooper den größten Einfluss auf seine Karriere. In den Fünfziger Jahren war Heinz Berggruen zu einem so erfolgreichen Kunsthändler und Verleger geworden, dass er im großen Stil einkaufen und sammeln konnte. Unter seinen ersten bedeutenden Anschaffungen war Cézannes Bildnis seines Gärtners Vallier, ein vibrierendes Aquarell aus seinem Spätwerk, das sich vorher in der Sammlung Vollard befand. Es ist eine von zwei wegweisenden Arbeiten, die in einer Cézanne gewidmeten Galerie im Parterre des neuen Museumsflügels ausgestellt sind; die andere ist ein kontemplatives Porträt von Cézannes Frau Hortense Fiquet.

Paul Klee, Versiegelte Dame, 1930

Zu den ersten Künstlern, mit denen er sich tiefgehender befasste, gehörte natürlich Paul Klee. Kostproben dessen Schaffens wurden von Paul Éluard, einem der ersten Sammler Klees in Frankreich, von Douglas Cooper und von Marie-Laure de Noailles, der heimlichen Schutzherrin der Surrealisten, bereitgestellt. Die Klee-Sammlung wurde im Laufe der Jahre beträchtlich erweitert. Das Jahr 1984 markierte einen Meilenstein: Heinz Berggruen stiftete 90 Arbeiten des Schweizer Künstlers dem New Yorker Metropolitan Museum of Art. Unbeirrt machte er sich daran, eine neue Sammlung von Werken Klees zusammenzustellen, was im neuen Flügel des Museums zum Ausdruck kommt. Hier sind insbesondere Werke aus der Bauhaus-Zeit, in der Klee eine überschäumende Kreativität an den Tag legte, ausgestellt.

In den ersten Jahren seiner Tätigkeit als Galerist konnte Heinz Berggruen bedeutende Werke Picassos zusammenstellen, einschließlich der wunderbaren Tuschzeichnung Le dormeur von 1942 (1952 von Paul Eluard erworben). Weitere in den Fünfzigern gekaufte Arbeiten sind Verre d’absinthe, 1914, eine großformatige Studie für die Demoiselles d’Avignon, und Chandail jaune, 1939, erworben 1959 von Rosenberg. Anfang der Sechziger erwarb er Stillleben mit Piano, 1911-12.

In jener Zeit gab es im Vergleich zu heute relativ wenig Sammler. Und lange bevor der Kunstmarkt einer gewissen Einförmigkeit anheimfiel, gab es in Paris oder anderswo eine Vielzahl von Kunstwerken zu entdecken. Mein Vater interessierte sich nicht nur für meisterliche Gemälde, sondern auch für ganz eigene, intimere Werke (oft auf Papier) wie z.B. die vielen Picasso-Arbeiten auf Papier, in denen Picasso in seiner typischen Experimentierfreudigkeit formelle und thematische Elemente von einem Medium zum anderen übertrug und neu verortete. Doch Heinz Berggruens große Stunde schlug 1979, als die Rosenberg Collection von den Erben Paul Rosenbergs, Picassos Händler, veräußert wurde. In der Auktion erhielt mein Vater den Zuschlag für drei Arbeiten: Sitzender Akt, sich den Fuß trocknend , 1921, Stillleben vor einem Fenster, Saint Raphael, 1919, und Der Bildhauer und seine Statue, 1933. Diese Arbeiten gehören zu den schönsten Kunstwerken des Museums Berggruen.

In seinen letzten Lebensjahrzehnten entwickelte Heinz Berggruen die Sammlung weiter und definierte sie neu. Seine Mission wurde durch schnell steigende Preise am Kunstmarkt immer schwieriger. Dennoch erzielte er einige seiner größten Erfolge im Auktionssaal: mit dem Erwerb von Picassos Liegender Akt, 1942, aus der Versteigerung von Victor und Sally Ganz’ Sammlung 1997 und, einige Jahre später, bei Sotheby’s in New York mit dem Kauf von Nu jaune, 1907, einer frischen lebhaften Studie auf Papier für die Demoiselles d’Avignon. Außerdem erwarb er einige Arbeiten aus dem Nachlass von Dora Maar, einschließlich des ikonischen Werkes Dora Maar mit grünen Fingernägeln, 1936.

Als sich sein Leben dem Ende zuneigte, begann sich Heinz Berggruen auch mit Picassos späten Arbeiten, die er früher außer Acht gelassen hatte, zu beschäftigen. Er glaubte zwar, dass Picasso in späteren Jahren als Grafiker und Zeichner die besten künstlerischen Ergebnisse erzielte (und für diese These gibt es in seiner Sammlung einige Beweise), war aber auch der Meinung, dass das Museum einige wichtige späte Gemälde wie z.B. Matador und weiblicher Akt, 1970, sein eigen nennen sollte. Angesichts dieser großen Spannbreite an Picasso-Arbeiten wurde mehr Raum, als der ursprüngliche Stüler-Bau bieten konnte, benötigt. Dieses Problem wurde gelöst, indem der gesamte neue Flügel den Werken Picassos gewidmet wurde. Vielen Besuchern sind die intimen Abmessungen der Räume aufgefallen; diese eignen sich in der Tat für die Präsentation von Werken, die ausnahmslos der Tradition der Staffeleimalerei verpflichtet sind.

Pablo Picasso, Les Femmes d‘Alger, 1955

Als mein Bruder Nicolas und ich von den Plänen zur Erweiterung des Museums unter der kompetenten Leitung des Architekturbüros Kuehn Malvezzi erfuhren, beschloss die Familie einschließlich meiner Mutter Bettina Berggruen, eine Reihe von Kunstwerken aus dem Familienbesitz langfristig zu beleihen. Außerdem konnten wir einige bedeutende Arbeiten erwerben und so die bestehende Sammlung ergänzen. Eine davon ist Picassos Frauen von Algier (Version L) und ein großartiges Klee-Gemälde aus der Bauhaus-Periode. 

Bei der Gestaltung des neuen Flügels achteten Kuehn Malvezzi auf Kohärenz, so dass der alte und neue Flügel vergleichbare Proportionen und eine ähnliche Ausstrahlung haben. Die Räume auf beiden Seiten des Glasgangs zwischen den beiden Gebäudeteilen sind der Bildhauerei gewidmet – Picasso und Matisse an dem einen Ende, Giacometti am anderen. Und schließlich ist der neue Flügel für eine flexible Hängung konzipiert und bietet Platz für temporäre Ausstellungen zu bestimmten Künstlern der Sammlung und deren Einfluss auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.